Beweismittel bei Krypto-Betrug: Relevante Nachweise für Strafanzeige und Rückforderung

In der Praxis entscheidet nicht der bloße Verdacht auf Krypto-Betrug, sondern die Qualität der gesicherten Nachweise darüber, ob Ermittlungsbehörden effektiv tätig werden können und ob zivilrechtliche Schritte Aussicht auf Erfolg haben.

Sie haben Beweise, wissen aber nicht, wie Sie vorgehen sollen? Wir unterstützen Sie bei der Identifikation, Priorisierung und Aufbereitung relevanter Beweise für Strafanzeigen und Anspruchsprüfungen.

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Blockchain-Daten als zentrale Beweismittel

Im Kern stellt die Blockchain selbst das wichtigste Beweismittel dar. Jede Transaktion wird dauerhaft dokumentiert. Zwar wirken Blockchain-Transaktionen auf den ersten Blick anonym, technisch sind sie jedoch nachvollziehbar.

Für die spätere Auswertung sind insbesondere relevant:

Transaktions-IDs (Hashes)

Eindeutige Signaturen, die belegen, dass ein Vorgang in dieser Form auf der Blockchain stattgefunden hat.

Wallet-Adressen

Sender- und Empfängeradressen, die den Geldfluss dokumentieren und nachvollziehbar machen.

Zeitstempel

Exakte Zeitpunkte der Transaktionen, wichtig für die chronologische Darstellung des Falls.

Token-Art und Netzwerk

Informationen über die verwendete Kryptowährung und das zugrundeliegende Netzwerk.

Entscheidend ist, diese Informationen nicht nur kurzfristig über einen Explorer zu betrachten, sondern sie nachvollziehbar zu sichern – etwa durch strukturierte Aufstellungen, gesicherte Dateien oder PDF-Dokumentationen.

Forensische Analyse und Tracing als strukturierte Beweisführung

In vielen Fällen endet der Krypto-Betrug nicht bei einer einzelnen Übertragung. Häufig werden Vermögenswerte über zahlreiche Zwischenstationen weitergeleitet, über Bridges verschoben oder gezielt verschleiert. In solchen Konstellationen reichen einzelne Screenshots regelmäßig nicht aus.

Eine forensische Analyse kann Transaktionsketten nachvollziehbar darstellen und in strukturierter Form aufbereiten. Tracing-Reports können unter anderem aufzeigen:

  • Über welche Stationen Werte geflossen sind
  • Ob Wallet-Cluster erkennbar sind
  • Ob Adressen Börsen oder Dienstleistern zugeordnet werden können
  • Wo sich potenzielle Exit-Punkte befinden

Gerade diese Exit-Punkte sind häufig entscheidend, da dort Kryptowerte in Fiat-Währungen umgewandelt oder über regulierte Schnittstellen verarbeitet werden.

⚠️ Wichtig zu wissen

Technische Analyse allein genügt nicht. Die Ergebnisse müssen rechtlich eingeordnet werden. Dabei stellt sich unter anderem die Frage, wer als Anspruchsgegner in Betracht kommt und welche Rolle Zahlungsdienstleister, Banken oder Börsen spielen.

Auskunftsersuchen: Von Pseudonymität zur Identität

Wallet-Adressen sind zunächst pseudonym. Ein zentraler Schritt zur Identifizierung möglicher Verantwortlicher kann daher über Auskunftsansprüche gegenüber Dienstleistern erfolgen, die KYC-Daten verarbeiten.

Viele Kryptobörsen und Plattformen speichern:

  • Identitätsnachweise (Ausweiskopien, Selfies)
  • Kontaktdaten (E-Mail, Telefonnummer, Adresse)
  • Ein- und Auszahlungsinformationen

Diese Daten können dazu beitragen, Wallet-Adressen konkreten Konten oder Personen zuzuordnen und Transaktionswege mit realen Identitäten zu verknüpfen. In der Praxis sind solche Auskunftsersuchen häufig ein Schlüssel, um aus einer rein technischen Darstellung eine belastbare Täterzuordnung zu entwickeln.

Endgeräte als Quelle digitaler Beweise

Neben Blockchain-Daten spielen Endgeräte eine wichtige Rolle bei der Beweisführung. Viele Betrugsmodelle arbeiten mit Fernzugriff, manipulierten Apps, gefälschten Support-Kontakten oder Phishing-Seiten.

Auf Computern und Smartphones können sich wichtige Spuren finden:

  • Hinweise auf Fernzugriffssoftware (TeamViewer, AnyDesk etc.)
  • Verdächtige Browser-Erweiterungen
  • Protokolle unberechtigter Zugriffe
  • Artefakte von Schadsoftware

Gerade diese Exit-Punkte sind häufig entscheidend, da dort Kryptowerte in Fiat-Währungen umgewandelt oder über regulierte Schnittstellen verarbeitet werden.

⚠️ Geräte nicht zurücksetzen!

Wichtig ist, dass Geräte nicht vorschnell zurückgesetzt oder Daten gelöscht werden, wenn eine Auswertung sinnvoll erscheint. Für Strafverfahren kann dies die Darstellung des Tatgeschehens erheblich stützen.

Ergänzende Unterlagen und der Zeitfaktor

Neben technischen Nachweisen behalten klassische Dokumente ihre Bedeutung. Dazu zählen insbesondere:

  • Chatverläufe und E-Mail-Kommunikation
  • Screenshots von Plattform-Dashboards
  • Werbeanzeigen und Vertragsdarstellungen
  • Auszahlungszusagen und Gebührenforderungen
  • Bankunterlagen (bei Kryptokäufen über Bankkonten)

Bedeutung des Zeitfaktors

Bei Kryptowerten ist der Zeitfaktor besonders kritisch, da Werte innerhalb kurzer Zeit weitergeleitet oder verschleiert werden können. Eine gut vorbereitete Strafanzeige mit klar strukturierten Transaktionsdaten erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Behörden zeitnah konkrete Schritte einleiten.

Zivilrechtliche Rückforderung und Anspruchsstruktur

Auf Grundlage gesicherter Beweise stellt sich die Frage nach den zivilrechtlichen Möglichkeiten. Je nach Sachverhalt kommen verschiedene Anspruchsgrundlagen in Betracht:

Bereicherungsrechtliche Ansprüche

Rückforderung aufgrund ungerechtfertigter Bereicherung des Empfängers.

Deliktische Ansprüche

Schadensersatz aufgrund vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung.

Vertragliche Ansprüche

Ansprüche aus nichtigen oder anfechtbaren Verträgen.

Die Strategie hängt häufig davon ab, ob Täter identifizierbar sind, ob Vermögenswerte noch greifbar erscheinen und ob Dritte in eine mögliche Haftungskette einbezogen werden können. Für eine Rückforderung ist eine juristisch schlüssige Anspruchsbegründung erforderlich.

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    Häufig gestellte Fragen zu Pig Butchering

    Welche Beweismittel sind bei Krypto-Betrug besonders wichtig?

    Zentrale Beweismittel sind Blockchain-Transaktionsdaten wie Wallet-Adressen, Transaktions-IDs und Zeitstempel sowie ergänzende Nachweise wie Kommunikationsverläufe, Plattform-Screenshots und Zahlungsunterlagen.

    Reichen Screenshots von Wallets oder Plattformen als Beweis aus?

    Nein. Screenshots allein sind regelmäßig nicht ausreichend. Sie sollten stets durch verifizierbare Blockchain-Daten und strukturierte Dokumentationen ergänzt werden.

    Was versteht man unter Wallet-Tracing bei Krypto-Betrug?

    Wallet-Tracing bezeichnet die Analyse von Transaktionsketten auf der Blockchain, um den Weg von Kryptowerten über mehrere Stationen hinweg nachvollziehbar darzustellen.

    Können Blockchain-Analysen vor Gericht verwendet werden?

    Ja. Strukturierte Blockchain-Analysen und Tracing-Reports werden in der Praxis als elektronische Beweismittel in Straf- und Zivilverfahren genutzt.

    Wann ist eine Strafanzeige bei Krypto-Betrug sinnvoll?

    Eine Strafanzeige ist insbesondere dann sinnvoll, wenn belastbare Transaktionsdaten und weitere strukturierte Beweise vorliegen, die den Sachverhalt nachvollziehbar darstellen.

    Wer unterstützt bei der Bewertung und Aufbereitung der Beweismittel?

    Auf Krypto-Betrug spezialisierte Kanzleien wie Kanzlei Dr. Araujo Kurth  unterstützen bei der rechtlichen Einordnung, Priorisierung und strukturierten Aufbereitung der Beweismittel.